{"id":233640,"date":"2019-12-10T14:26:15","date_gmt":"2019-12-10T13:26:15","guid":{"rendered":"https:\/\/eva-lindner.com\/?p=233640"},"modified":"2026-05-20T12:06:16","modified_gmt":"2026-05-20T10:06:16","slug":"frau-kamel-und-der-teilchenbeschleuniger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eva-lindner.com\/en\/frau-kamel-und-der-teilchenbeschleuniger\/","title":{"rendered":"Frau Kamel und der Teilchenbeschleuniger"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Physikerin Gihan Kamel aus \u00c4gypten forscht in Jordanien mit Kollegen aus Israel und dem Iran an einer Maschine aus dem geteilten Berlin. &#8220;Sesame&#8221; soll die Wissenschaft im Nahen Osten befl\u00fcgeln und Gegner befrieden. Kann das gelingen?<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>von Eva Lindner, Zeit Wissen Magazin, <\/em>21. Februar 2017<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Die Frau mit dem Kopftuch hat in ihrem Leben zwei M\u00e4nner zur\u00fccklassen m\u00fcssen, die nicht mit ihr gehen wollten. Daf\u00fcr ist sie jetzt von 30 M\u00e4nnern umgeben, die schon mal \u00fcber sie lachen. Wenn Gihan Kamel auf der Baustelle den Schutzhelm auf ihr Kopftuch setzt und \u00fcber Kisten klettert, f\u00fchlt sie sich manchmal wie ein seltenes Tier im Zoo. Die M\u00e4nner, die dann grinsen, werden erst einmal an ihrer Seite bleiben. Und Gihan Kamel w\u00e4re nicht da, wo sie heute ist, wenn sie in diesem Moment nicht mitlachen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Logik der Physikerin funktioniert so: Lachen die M\u00e4nner, klettert sie h\u00f6her. Geben sie ihr absichtlich schwere Kisten zum Tragen, stemmt sie abends im Fitnessstudio noch schwerere Gewichte. Nehmen ihre Kollegen sie als Wissenschaftlerin nicht ernst, arbeitet sie eben doppelt so hart. Kamel bedeutet im Arabischen perfekt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00c4gypterin hat ihre Formel gefunden, um als einziger weiblicher Wissenschaftler in einem Labor voller M\u00e4nner nicht unterzugehen. Den Rest braucht nicht nur sie, sondern brauchen alle, die an dem gewagten Experiment mitarbeiten: einen starken Willen und vor allem eine Vision.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Ort Allan, 35 Kilometer entfernt von der jordanischen Hauptstadt&nbsp;Amman, entsteht in einem Geb\u00e4ude, das wie ein r\u00f6mischer Tempel anmutet, eine neue Lichtquelle. Es ist die Erste ihrer Art im Nahen Osten. Sie tr\u00e4gt den Namen Synchrotron Light for Experimental Science and Applications in the Middle East, kurz Sesame. Es handelt sich um einen Teilchenbeschleuniger, der Elektronen mithilfe von Magneten und elektrischen Feldern im Kreis flitzen l\u00e4sst, bis sie fast so schnell sind wie Licht. Die elektromagnetische Strahlung, die sie dabei aussenden, nennen Wissenschaftler Synchrotronstrahlung. Dreizehn Jahre dauerte der Bau, Anfang Januar begann die Testphase, im Sommer starten die Experimente.<\/p>\n\n\n\n<p>Weltweit gibt es mehr als 60 Forschungsanlagen dieser Art. Das Besondere an Sesame ist aber nicht nur der Standort im Nahen Osten. Es sind vor allem die Wissenschaftler, die hellh\u00f6rig werden lassen. Im Tempel-Labor sollen sich Israelis und Iraner, T\u00fcrken und Zyprioten, Pakistaner, Pal\u00e4stinenser und \u00c4gypter treffen und gemeinsam forschen. Sie sollen in den Pausen zusammen essen, bei einem Kaffee plaudern und sich im G\u00e4stehaus begegnen. Unabh\u00e4ngig von Herkunft, Religion und der einander oft feindlich gesinnten Politik ihrer Heimatl\u00e4nder will Sesame ein internationales Labor f\u00fcr Wissensaustausch sein \u2013 und ist damit nicht weniger als eines der gr\u00f6\u00dften Experimente f\u00fcr den Frieden in der Region.<\/p>\n\n\n\n<p>Gihan Kamel (ausgesprochen: Kamell) sitzt an ihrem Schreibtisch im ersten Geschoss oberhalb der Rotunde, durch die sich der Beschleuniger schraubt. An der Wand \u00fcber ihr h\u00e4ngen Bilder und ein Schild mit zwei Pfeilen.&nbsp;<em>&#8220;Men to the left because women are always right&#8221;,<\/em>&nbsp;steht darauf geschrieben. Kamel tr\u00e4gt das dazu passende L\u00e4cheln im Gesicht, selbstbewusst; ein Hemd, gr\u00fcn-wei\u00df kariert; Nagellack, schwarz. Das blau-wei\u00df gebl\u00fcmte Kopftuch hat sie unter dem Kinn zusammengewurschtelt, oben spitzt der dunkle Haaransatz heraus. Warum tr\u00e4gt sie es? &#8220;Ich will das Vorurteil brechen, dass Frauen mit Kopftuch immer unterdr\u00fcckt sind und sich nur um Haushalt und Kinder k\u00fcmmern&#8221;, sagt sie. &#8220;Eine Frau mit Kopftuch kann eine erfolgreiche Wissenschaftlerin und religi\u00f6s sein.&#8221; Gihan Kamel, so viel ist klar, k\u00e4mpft an mehreren Fronten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Tisch spiegelt ihre Sonnenbrille das Herbstlicht in den blauen Gl\u00e4sern. Daneben liegt ein Buch von&nbsp;Orhan<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/orhan-pamuk\"> <\/a>Pamuk.&nbsp;<em>Diese Fremdheit in mir,<\/em>&nbsp;ein Roman \u00fcber Zerrissenheit und die Suche nach innerer Heimat. Gihan Kamel sieht j\u00fcnger aus als die 40 Jahre, die sie alt ist. In der Hand h\u00e4lt die Physikerin einen kurzen Bleistift. Wenn sie erkl\u00e4rt, warum sie an das Friedenslabor glaubt, klopft sie damit vehement auf das Blatt Papier vor ihr auf dem Tisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Anfangs habe sie schon Zweifel gehabt. &#8220;Ich habe mich gefragt, ob ich, eine stolze \u00c4gypterin, zu einer neutralen Person werden kann&#8221;, sagt sie. &#8220;Kann ich meine Augen vor der Welt verschlie\u00dfen und einfach nur meine Experimente machen?&#8221; Wochenlang habe sie mit sich gerungen.&nbsp;\u00c4gypten&nbsp;hat mit Israel zwar einen Friedensvertrag und erkennt den Staat, anders als der Iran oder Pakistan, auch an, aber der Freiheitskampf der Pal\u00e4stinenser ist f\u00fcr viele die Sache aller Araber. Nach ein paar Wochen wei\u00df sie die Antwort. Ihre t\u00e4gliche Arbeit funktioniert seitdem nach einem Dreisatz: &#8220;Ich lese keine Zeitung, ich schaue keine Nachrichten, ich spreche nicht \u00fcber Politik&#8221;, sagt sie und tippt mit dem Stift dicke Bleistiftpunkte auf das Blatt.<\/p>\n\n\n\n<p>Drei Jahre lang repr\u00e4sentierte Gihan Kamel \u00c4gypten im Mitgliederkomitee von Sesame. Sie beobachtete, wie sich Pal\u00e4stinenser und Israelis auf Konferenzen nebeneinandersetzten, wie iranische Forscher in der Kaffeepause mit israelischen Kollegen redeten. 2015 zieht sie nach&nbsp;Jordanien&nbsp;und tritt ihre Stelle als verantwortliche Physikerin f\u00fcr die Infrarotstrahlung an. Sie wird schnell zur vehementesten Verteidigerin dieser &#8220;verr\u00fcckten Idee&#8221; namens Sesame, ihrer Vision vom Frieden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Experiment hat seinen einzig m\u00f6glichen Standort gefunden: Jordanien als letzte stabile Bastion im Nahen Osten, den Kriege und Krisen zerfressen wie \u00e4tzende S\u00e4ure. Jordanien als einziges Land, in das alle Mitglieder problemlos einreisen k\u00f6nnen. Nicht \u00fcber Politik zu sprechen scheint das ungeschriebene Gesetz im Labor zu sein, der Garant f\u00fcr das Gelingen des Experiments. Nur, ist es schon Frieden, wenn Feindschaft ignoriert wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Einer, der eine Antwort haben m\u00fcsste, sitzt ein paar B\u00fcros weiter. Giorgio Paolucci ist seit zwei Jahren der wissenschaftliche Leiter von Sesame. Als er ankam, stand der halb fertige Teilchenbeschleuniger ohne Dach in der W\u00fcste. Ein extremer Winter hatte Schnee nach Jordanien und das Tempeldach zum Einsturz gebracht. Ein Grund von vielen, die das Projekt um Jahre verz\u00f6gert haben. Sein B\u00fcro ist im Gegensatz zu Gihan Kamels B\u00fcro leer und kahl. Es sieht nicht aus wie eines, in dem sich jemand eingerichtet hat, um zu bleiben. Paolucci kocht gerade Kaffee, italienischen nat\u00fcrlich. &#8220;Wissenschaft ist ein Umfeld, in dem nie \u00fcber Krieg oder Frieden gesprochen wird. Die Sprache der Wissenschaft ist universell, sie f\u00fchrt zum Austausch, wo sonst nicht miteinander gesprochen wird&#8221;, sagt der Italiener. Es klingt wie ein Satz, den er schon sehr oft gesagt hat. Lieber spricht er \u00fcber die wissenschaftlichen Chancen von Sesame.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Synchrotronlicht ist ein Werkzeug, das nicht nur Physiker, sondern auch Mediziner, Chemiker, Biologen, Materialforscher und Arch\u00e4ologen nutzen. Damit analysieren sie anderswo in der Welt zum Beispiel Luftpartikel und Bodenproben, um Umweltsch\u00e4den zu erkennen. Der Infrarotstrahl erm\u00f6glicht die Forschung an lebenden Zellen und an Gewebe, das von Krebs befallen ist. Im Bau befindet sich ein drittes Strahlrohr f\u00fcr die sogenannte Proteinkristallografie, mit der Viren besser erforscht werden k\u00f6nnen. Milit\u00e4rische Forschung soll mit Sesame nicht m\u00f6glich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Giorgio Paolucci erz\u00e4hlt gerne von den Erfolgen, die italienische Forscher mithilfe von Synchrotronlicht erzielt haben. Sie entzifferten eine antike Pergamentrolle aus Pompeji, ohne sie zu \u00f6ffnen und so ihre Zerst\u00f6rung zu riskieren. Solche Ergebnisse w\u00fcnsche er sich auch f\u00fcr den Nahen Osten, gerade in Jordanien gebe es zahlreiche arch\u00e4ologische Fundst\u00fccke. In wenigen Wochen sollen die ersten Forscherteams in Allan eintreffen. Ein strammer Zeitplan angesichts dessen, dass die Halle mit den vielen Kisten und Containern noch eher einer Baustelle als einem Labor gleicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Idee f\u00fcr einen Teilchenbeschleuniger im Nahen Osten stammt aus dem europ\u00e4ischen Forschungszentrum Cern und ist bereits 20 Jahre alt. Jordanien stellte schlie\u00dflich das Grundst\u00fcck zur Verf\u00fcgung und \u00fcbernahm 2003 den Bau des Tempels, die Unesco, die EU und die USA gaben Geld. Die Kosten f\u00fcr die Anlage sollen eigentlich die neun Sesame-Mitglieder aus der Region tragen, doch bislang haben nur&nbsp;Israel, die T\u00fcrkei und Jordanien hohe Betr\u00e4ge bezahlt. Zu Bahrain habe man den Kontakt ganz verloren, aus Zypern, Pakistan, den pal\u00e4stinensischen Gebieten, dem Iran und \u00c4gypten kam bislang wenig oder gar nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Gihan Kamel wei\u00df, dass \u00c4gypten in einer tiefen Krise steckt. W\u00e4hrend ihre Heimat, wie sie sie kannte, unterging, stieg sie selbst in der Wissenschaft auf. Als ihre Freunde 2011 in Kairo anfangen, gegen das Regime Mubaraks auf die Stra\u00dfe zu gehen, beendet die Physikerin ihre Doktorarbeit an einer Universit\u00e4t in Rom und l\u00f6st gerade ihre zweite Verlobung auf. Die erste scheiterte, als sie ihren Master machte. &#8220;Beide M\u00e4nner konnten nicht ertragen, dass ich erfolgreicher war als sie. Daran sind beide Beziehungen zerbrochen&#8221;, sagt sie.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie mit ihrem Doktortitel nach Hause kam, sei die Stimmung im Land wahnsinnig aufregend gewesen. Es war der Beginn des Arabischen Fr\u00fchlings in \u00c4gypten. &#8220;Wir liefen auf den Tahrir-Platz und feierten und demonstrierten. Wir sp\u00fcrten, dass gerade etwas Gro\u00dfes passiert.&#8221; Dann brach die Gewalt herein, Hunderte Menschen starben. Ein paar Wochen sp\u00e4ter&nbsp;trat<a class=\"\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2013-11\/chronologie-aegypten\" target=\"_blank\"> <\/a>Mubarak<a class=\"\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2013-11\/chronologie-aegypten\" target=\"_blank\"> <\/a>zur\u00fcck. Sie sei so erleichtert gewesen. &#8220;Es ist ein bisschen wie mit Sesame&#8221;, sagt sie, &#8220;du arbeitest ewig lange an etwas, was unerreichbar scheint, und wenn du dann tats\u00e4chlich am Ziel ankommst, merkst du, dass du wirklich etwas ver\u00e4ndert hast.&#8221; Das Problem sei nur, die freigesetzte Energie im Nachhinein zu kontrollieren. Sie als Physikerin muss es wissen.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Wir k\u00f6nnen nicht leugnen, dass es in den Mitgliedsl\u00e4ndern viele Probleme gibt&#8221;, sagt Giorgio Paolucci, der gerade seinen Espresso austrinkt. &#8220;Die Wissenschaftler der Mitgliedsl\u00e4nder sollen trotzdem hier forschen, auch wenn sie noch nicht alle bezahlen.&#8221; Finanziell springen erst einmal alte Bekannte ein. Die EU will nachlegen, Italien und Deutschland ebenso.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist Sesame ein vom Westen angeschubstes Friedensprojekt, in das die Mitglieder selbst nicht investieren k\u00f6nnen oder gar wollen? Nicht mehr als ein sch\u00f6nes Symbol unter der Schirmherrschaft der Unesco?<\/p>\n\n\n\n<p>Einer, der seit vielen Jahren Erfahrung mit internationalen Forscherteams hat, ist \u00fcberzeugt von Sesames Strahlkraft f\u00fcr die V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung. Rolf-Dieter Heuer war sieben Jahre lang Generaldirektor des&nbsp;Cern. Im kommenden Jahr wird der deutsche Physiker Pr\u00e4sident des Aufsichtsrats von Sesame. Das Cern habe ihm gezeigt, dass Wissenschaftler, die ein gemeinsames Ziel haben, einander unabh\u00e4ngig von ihrer Herkunft akzeptieren. Ab 1954 sind sich in dem Schweizer Labor zum ersten Mal nach dem&nbsp;Zweiten<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/zweiter-weltkrieg\"> <\/a>Weltkrieg&nbsp;wieder deutsche und j\u00fcdische Wissenschaftler begegnet. Auch den Eisernen Vorhang in Europa h\u00e4tten die Forscher mit ihrer Zusammenarbeit \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg durchl\u00f6chert. &#8220;Ich bin \u00fcberzeugt, dass die Wissenschaft zum Frieden zwischen den V\u00f6lkern beitragen kann&#8221;, sagt er.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon bald sollten die Mitgliedsl\u00e4nder selbst die Leitung von Sesame \u00fcbernehmen. &#8220;Bisher haben sie sich nicht rangetraut, weil ihnen die Erfahrung fehlt&#8221;, sagt Rolf-Dieter Heuer, &#8220;das muss sich aber \u00e4ndern, sobald Sesame l\u00e4uft.&#8221; Also schnell.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben Giorgio Paolucci, dem Italiener, steht momentan ein Deutscher als technischer Leiter an der Spitze des Strahlenexperiments: Erhard Huttel pendelt jeden Monat zwischen dem Synchrotron Anka in Karlsruhe und Sesame hin und her. Fragt man ihn, ob Sesame Frieden stiften kann, hebt er die Schultern und l\u00e4sst sie wieder fallen. Glaubensfragen sind nicht seine Welt. Er ist ein Mann der Zahlen. Die Anlage sei mit 20 Millionen US-Dollar sehr billig, eine Maschine in Europa koste das F\u00fcnffache. Der Grund f\u00fcr die Ersparnis stehe da unten. Huttel zeigt von seinem B\u00fcro im ersten Stock hinunter.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer dem technischen Direktor durch das Labor folgt, darf hinter die drei Meter dicke Betonwand sp\u00e4hen, die vor Strahlen sch\u00fctzen soll, und auch hinter T\u00fcren mit Warnschildern wie &#8220;Hochspannung! Vorsicht, Lebensgefahr!&#8221;. Dann steht man im Herzen der Anlage und trifft auf eine Berlinerin. &#8220;Das ist Bessy I&#8221;, stellt Huttel die rote Stahlr\u00f6hre vor. Sie ist ein Teil des Beschleunigungsrings, der in&nbsp;Berlin&nbsp;1999 ausgemustert und ein paar Jahre sp\u00e4ter Sesame geschenkt wurde. Das Cern des Nahen Ostens \u2013 eine 35 Jahre alte Secondhand-Anlage? &#8220;Eigentlich kann an so einer Maschine nicht viel kaputtgehen&#8221;, sagt Huttel und klopft Bessy auf den Stahlrahmen, er habe nur ein paar Netzteile ausgetauscht. Auf die Frage, ob die aufgepeppte alte Dame mit den 60 Konkurrenten weltweit mithalten k\u00f6nne, sagt er: &#8220;Das ist wie bei den Autos: Es gibt welche, mit denen f\u00e4hrt man Formel 1, und welche, mit denen f\u00e4hrt man zum Br\u00f6tchenholen.&#8221; Letztere brauche man aber auch, schiebt er schnell hinterher.<\/p>\n\n\n\n<p>Was der Nahe Osten vor allem brauche, sei ein solides Labor, das die jungen, talentierten Wissenschaftler in der Region halte. Wissenschaftler wie Gihan Kamel sollen zuk\u00fcnftig nicht mehr an Synchrotronanlagen im Westen forschen, sondern an Sesame, und so ihre Heimat st\u00e4rken.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sei froh, wieder n\u00e4her an \u00c4gypten zu wohnen, sagt die Physikerin. Eines Tages m\u00f6chte sie zur\u00fcckkehren. Bis dahin sei die Wissenschaft bei Sesame ihr Zuhause und auch ihr Baby. Jeder m\u00fcsse in seinem Leben eine Vision haben, sagt Kamel, jeder sollte etwas verfolgen, wof\u00fcr er k\u00e4mpfe und woran er bedingungslos glaube. Gihan Kamel lebt mit ihrer Mutter und zwei Katzen zusammen. Die beiden Katzen kann man als Symbol interpretieren f\u00fcr die vielen Identit\u00e4ten dieser Frau. Die eine Katze stammt aus Jordanien. Die andere aus \u00c4gypten.<\/p>\n\n\n\n<p>Foto: <a rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Jonas Opperskalski (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"http:\/\/www.jonasopperskalski.com\" target=\"_blank\">Jonas Opperskalski<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Online auch zu lesen auf: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/zeit-wissen\/2017\/02\/wissenschaft-naher-osten-jordanien-frauen-physik-teilchenbeschleuniger\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"zeit.de\/zeit-wissen (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">zeit.de\/zeit-wissen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeit Wissen Magazin<\/p>\n<p>Die Physikerin Gihan Kamel aus \u00c4gypten forscht in Jordanien mit Kollegen aus Israel und dem Iran an einer Maschine aus dem geteilten Berlin.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":234071,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[74],"tags":[],"class_list":["post-233640","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-arbeitsprobe"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v24.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>SESAME: Wissenschaft &amp; Frieden im Nahen Osten | Eva Lindner<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Kann ein Teilchenbeschleuniger den Nahen Osten befrieden? 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