{"id":234253,"date":"2019-11-15T21:43:32","date_gmt":"2019-11-15T20:43:32","guid":{"rendered":"https:\/\/eva-lindner.com\/?p=234253"},"modified":"2026-05-20T12:10:31","modified_gmt":"2026-05-20T10:10:31","slug":"wuestenliebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eva-lindner.com\/en\/wuestenliebe\/","title":{"rendered":"W\u00fcstenliebe"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Alles hinter sich lassen und in einem W\u00fcstental in Jordanien mit einem Beduinen ein neues Leben anfangen \u2013 geht das? Drei Frauen aus dem Westen sind in die Felsenstadt Petra gezogen und erz\u00e4hlen von ihrem Mann, ihrem Traum von Abenteuer und Freiheit und dem Alltag in einem H\u00f6hlendorf<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>von Eva Lindner, Brigitte Woman, 01. September 2014<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>In der antiken Felsenstadt Petra gibt es viele Frauen, die auf Eseln reiten. Doch nur eine von ihnen sieht da\u00adbei aus wie eine Dame und nicht, als w\u00fcrde sie gerade eine Wasch\u00admaschine im Schleudergang z\u00e4h\u00admen. R\u00fccken gerade, Abs\u00e4tze tief, Kinn hoch \u2013 \u201eKeef haalak?\u201c, \u201eWie geht\u2019s?\u201c, ruft Tiziana D\u2019Angelo den Beduinen auf Arabisch ent\u00adgegen. Als sei sie die Queen auf Volksbesuch, winkt sie mit der rechten Hand von ihrem Vierbei\u00adner herab, in der linken h\u00e4lt sie ihre Handtasche und die Z\u00fcgel. \u201eBello, avanti!\u201c, ruft sie, doch das Tier legt lediglich die Ohren an und bewegt sich keinen Schritt schneller. Touristen werden auf\u00admerksam, sehen sich um. Die Ita\u00adlienerin verdreht ihre braunen Augen, lacht und schwingt sich vom R\u00fccken des Esels.<\/p>\n\n\n\n<p>Statt Eselsgeruch weht ein Duft von blumigem Parf\u00fcm durch die staubige W\u00fcstenluft. Auf dem Kopf tr\u00e4gt die Reiterin eine blau\u00ad schwarze Kufiya, das quadra\u00adtische arabische Tuch, zu einem Turban geknotet. Tiziana D\u2019An\u00ad gelo aus Salerno, 44 Jahre alt, ist S\u00e4ngerin und Schauspielerin. Ih\u00adre Ankunft auf Esel Bello ist ihr t\u00e4glicher Auftritt in Petra. \u201eSalem aleikum, Tizi\u201c, begr\u00fc\u00dfen sie die Beduinen und dr\u00fccken ihr ein Glas Tee in die Hand. Sie winkt einem jungen Mann auf einem Pferd zu. Mit dem schwarzen Bart, den schwarzen langen Haa\u00adren und dem dramatischen Koh\u00adlestrich um die Augen sieht er ein bisschen aus wie Captain Jack Sparrow aus \u201eFluch der Karibik\u201c. Aus seinem Smartphone dudelt arabische Popmusik. \u201eMit dem war ich drei Jahre lang zusam\u00admen\u201c, sagt Tiziana D\u2019Angelo, l\u00e4\u00adchelt und l\u00e4sst zwei L\u00f6ffel Zucker in ihr kleines Glas rieseln. \u201eIch war die erste Frau f\u00fcr ihn.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine spektakul\u00e4rere B\u00fchne f\u00fcr ihren Auftritt h\u00e4tte die Italienerin sich nicht suchen k\u00f6nnen: Petra ist eine der ber\u00fchmtesten Sehens\u00adw\u00fcrdigkeiten der Welt. Vor \u00fcber 2200 Jahren haben mehrere No\u00admadenst\u00e4mme, die so genannten Nabat\u00e4er, in einem W\u00fcstental zwischen Syrien, der W\u00fcste Ne\u00adgev und Arabien ihr K\u00f6nigreich errichtet. Petra sollte seine Haupt\u00adstadt sein, also mei\u00dfelten sie Pa\u00adl\u00e4ste, Tempel, Gr\u00e4ber, Lagerhal\u00adlen und St\u00e4lle aus den roten Felsen. Von hier aus beherrschte das Volk die Wasserversorgung f\u00fcr die Region und die Handels\u00adroute, auf der Karawanen mit Gew\u00fcrzen, Weihrauch und Sei\u00addenstoffen von Damaskus nach Arabien zogen. Zu erreichen war die Hauptstadt lediglich durch eine enge, 1200 Meter lange Schlucht, den so genannten Siq, der ges\u00e4umt ist von kirchturm\u00ad hohen Felsw\u00e4nden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Heute wandern vor allem Touris\u00adten durch die antike St\u00e4tte, die 2007 zu einem der \u201eneuen sieben Weltwunder\u201c gew\u00e4hlt wurde. Doch Petra ist nicht nur die Hauptattraktion Jordaniens, son\u00addern auch die Heimat von etwa tausend Beduinen. Die wissen genau, wie sie sich den Besucher\u00adstrom zunutze machen: Sie bie\u00adten alles an, was Touristen w\u00e4h\u00adrend ihres Besuchs brauchen oder nicht brauchen: einen Ritt auf Esel, Kamel und Pferd, Cola, Kaf\u00adfee und Chips, Vasen, K\u00fchl\u00adschrankmagnete und Tassen mit \u201ePetra\u201c\u00adAufdruck. Und manch einer preist Besucherinnen auch ein \u201ebesonderes Petra\u00ad-Erlebnis\u201c in seiner H\u00f6hle an.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stimmen der jungen M\u00e4nner hallen von den Felsw\u00e4nden wi\u00adder. \u201eHello, brauchen Sie ein Taxi?\u201c, fragt einer und deutet auf seinen grauen Esel, der d\u00f6send im Schatten eines Baumes steht. \u201eWillkommen in Petra! Nehmen Sie doch lieber meinen Ferrari!\u201c, ruft ein anderer von seinem Ka\u00admel herunter. \u201eNein danke\u201c ak\u00adzeptieren sie nicht. Wer ablehnt, wird weiterbearbeitet. Die M\u00e4n\u00adner wissen, dass ihre charmant\u00ad aufdringliche Art am Ende meist zum Erfolg f\u00fchrt. Und so zuckeln t\u00e4glich hunderte Touristen wie reitende Schildkr\u00f6ten mit Ruck\u00adsackpanzern und langen H\u00e4lsen, an denen schwere Kameras bau\u00admeln, auf den Vierbeinern der Beduinen durch die rote Stadt. Tiziana D\u2019Angelo ist vor zehn Jah\u00adren das erste Mal nach Petra ge\u00adkommen, als Besucherin. Mit ih\u00adren Eltern verbrachte sie zwei Wochen in der Region. \u201eAlle ha\u00adben mir gesagt: \u201aH\u00fcte dich vor den Arabern!\u2018 Aber als wir ankamen, dachte ich nur: \u201aDie m\u00fcssen sich vor uns in Acht nehmen!\u2018\u201c, sagt sie und lacht. Ihre Stimme klingt rau und tief, sie schont sie offen\u00ad bar nicht. Kurz nach dem Fami\u00adlienurlaub ist Tiziana D\u2019Angelo wiedergekommen, allein, diesmal wollte sie in dem W\u00fcstenort blei\u00adben. Sie hatte sich l\u00e4ngst in einen Beduinen verliebt. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man die Italienerin nach Sprachbarrieren oder Kultur\u00ad unterschieden fragt, legt sie die Kuppen von Daumen, Zeige\u00ad und Mittelfinger aneinander und sagt: \u201eAllora, Darling, die Beduinen in Petra haben sehr gute Instinkte. Sie wissen sehr schnell, was f\u00fcr eine Frau du bist.\u201c Die meisten M\u00e4nner sprechen gut Englisch. Und sie interessieren sich f\u00fcr die Besucherinnen, die aus dem Aus\u00adland kommen. Weit gereiste, ge\u00adbildete und nicht zuletzt sexuell erfahrene Frauen, die in ihrem Urlaub entspannt, gut gelaunt und abenteuerlustig sind. F\u00fcr manch einen Jordanier sind sie die Eintrittskarte in die westliche Welt, f\u00fcr die sie ein Visum und eine Einladung brauchen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Idee, ihren Freund mit nach Italien zu nehmen, w\u00e4re Tiziana D\u2019Angelo nie gekommen. \u201eDas ist der gr\u00f6\u00dfte Fehler, den man machen kann. Viele Frauen bitten ihre Lieb\u00adhaber, ihnen nach Europa oder Amerika zu folgen. Aber das funktioniert nicht. Ein Beduine ist doch kein Souvenir, das man mit nach Hause nimmt und das&nbsp;einen an den Urlaub erinnert\u201c, sagt sie und runzelt kurz die Stirn. \u201eDer Zauber von Petra muss in Petra bleiben, basta.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nach drei Jahren war zwischen ihr und dem Beduinen trotzdem Schluss. Sie erwischte ihn dabei, wie er einer Franz\u00f6sin am Telefon seine Liebe schwor. Doch Tiziana D\u2019Angelo ist in Petra geblieben. Sie ist eine von acht Frauen aus dem Westen, die mit den Bedui\u00adnen leben. Jeden Tag reitet sie auf Bello zu ihrer H\u00f6hle, macht Feuer und kocht Abendessen und Tee. Die Italienerin lebt dort allein, ohne Mann, Familie und Kinder \u2013 eigentlich ein Tabu in der arabi\u00adschen Gesellschaft. \u201eIn Petra sind die Menschen offener und tole\u00adranter, sie kennen die westlichen Kulturen\u201c, sagt sie. \u201eDie Bedui\u00adnen sind wie meine Br\u00fcder. Wenn ich hier nachts allein vor meiner H\u00f6hle sitze, f\u00fchle ich mich si\u00adcherer als nachts in Italien am Strand.\u201c Alle paar Monate fliegt sie f\u00fcr Auftritte oder Proben in ihr Heimatland. Aber Petra l\u00e4sst sie nicht los, sie kommt immer wieder hierher zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch vor 30 Jahren gab es kaum Touristen in Petra, die 2000 Jah\u00adre alten H\u00f6hlen waren die Heimat der Beduinen. Mitte der 80er Jahre erkl\u00e4rte die Unesco die an\u00adtike Stadt zum Weltkulturerbe. Ein paar Jahre sp\u00e4ter begab sich ein Hollywood\u00ad-Abenteurer im Schatzhaus von Petra auf die Su\u00adche nach dem Heiligen Gral und machte den Anblick der 40 Meter hohen, in den Fels gehauenen S\u00e4ulenfassade weltber\u00fchmt. Mit \u201eIndiana Jones und der letzte Kreuzzug\u201c sorgte Harrison Ford f\u00fcr Touristenstr\u00f6me in Jordani\u00aden. K\u00f6nig Hussein selbst besuchte den Drehort und forderte die Be\u00adduinen auf, die Stadt zu verlassen, um Platz zu machen f\u00fcr Besucher aus aller Welt. Er lie\u00df ein Dorf mit Superm\u00e4rkten und Reiseb\u00fcros bauen. Mittlerweile sind viele Einwohner aber wieder in ihre H\u00f6hlen zur\u00fcckgekehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Marguerite van Geldermalsen erinnert sich noch daran, wie es fr\u00fcher war. Im Alter von 22 Jahren kam die Neuseel\u00e4n\u00adderin 1978 als Rucksackreisende nach Petra. Sie war eine der ersten ausl\u00e4ndischen Frauen, die einen Beduinen geheiratet haben. Sie\u00adben Jahre lang lebten die beiden in seiner H\u00f6hle, kochten \u00fcber offenem Feuer, wuschen sich an einer Quelle und schliefen auf Decken in den Felsen oder unter dem Sternenzelt. Erst sp\u00e4ter zog sie mit ihren drei Kindern in ein Haus im Dorf. Ihr Mann Mo\u00adhammad starb vor zw\u00f6lf Jahren an Diabetes. Die Witwe ging mit ihren Kindern nach Australien, doch nach ein paar Jahren wollten alle endg\u00fcltig zur\u00fcck, \u201enach Hau\u00adse\u201c. Heute lebt Marguerite van Geldermalsen zur\u00fcckgezogen im Beduinendorf, die Zeiten, in de\u00adnen sie mit den Einheimischen gesellig ums Lagerfeuer sa\u00df und Tee getrunken hat, sind vorbei. Im Wechsel mit ihrem Sohn verkauft die 58\u00ad-J\u00e4hrige in ihrem Laden gegen\u00fcber vom Amphitheater Schmuck und B\u00fccher an Touris\u00adten. Deren Autorin ist sie selbst. Unter dem Titel \u201eIm Herzen Be\u00adduinin\u201c hat sie ihre Lebensge\u00adschichte aufgeschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Nichts an van Geldermalsen erin\u00adnert heute mehr daran, dass sie mal als Beduinin gelebt hat. Statt der Mudraga, dem kn\u00f6chellangen bestickten Kleid, tr\u00e4gt sie Funk\u00adtionskleidung und einen hellen Stoffhut, um vor Hitze, aber auch vor Regen gesch\u00fctzt zu sein. Sie ist ungeschminkt, nur ein paar unauff\u00e4llige goldene Ringe h\u00e4n\u00adgen an ihren Ohren. Ihre randlose Brille hat etwas Gro\u00dfm\u00fctterli\u00adches, doch untersch\u00e4tzen sollte man sie nicht. Aus der H\u00f6hlen\u00adfrau ist eine Gesch\u00e4ftsfrau gewor\u00adden. Fremdenf\u00fchrern bezahlt sie eine Provision, damit sie Gruppen an ihren Stand bringen. Es ist der einzige in Petra, an dem man mit Kreditkarte bezahlen kann, an guten Tagen verdient sie schon mal 150 Euro in einer Stunde. Dann l\u00e4sst sie sich fotografieren und erz\u00e4hlt immer wieder, wie es war, in einer H\u00f6hle zu leben und von allen \u201eFatima\u201c genannt zu werden. Journalisten empfiehlt sie, ihr Buch zu lesen, statt Fragen zu stellen. Sie m\u00f6chte nicht mit all den Touristinnen verwechselt werden, die eine Nacht in der H\u00f6hle eines Beduinen verbrin\u00adgen. Als wolle sie ihre Lebensge\u00adschichte davor bewahren, aus\u00adtauschbar zu klingen, sagt sie: \u201eMeine Liebe zu Mohammad war unschuldig und aufrichtig.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Mohammad verkaufte damals Souvenirs und lud das M\u00e4dchen zu einer traditionellen Beduinen\u00adhochzeit ein, zum Essen am La\u00adgerfeuer. Sp\u00e4ter machte er ihr ei\u00adnen Heiratsantrag. Sie verliebte sich, so kann man es in ihrem Buch nachlesen, \u201ein einen Gent\u00adleman, in seine agile und h\u00f6fliche Art, seinen Humor, die feinen Gesichtsz\u00fcge und die schwarzen Augen\u201c. Und sie verliebte sich in die Idee, eine Aussteigerin zu sein, ein exotisches, freies Nomaden\u00ad leben in der Natur zu f\u00fchren, weit weg von Politik, Stress, B\u00fcros, Stromrechnungen, Hypotheken, Steuererkl\u00e4rungen und Alters\u00advorsorge. Aber auch fern von Hei\u00adzungen, Toiletten, Kinos, Caf\u00e9s, Freunden und Familie. Die Neu\u00adseel\u00e4nderin lernte Arabisch, kon\u00advertierte zum Islam, sch\u00fctzte sich im Sommer mit einem Kopftuch vor Hitze und Staub und im Win\u00adter mit einem Schaffell vor der K\u00e4lte. Mutig sei ihre Entschei\u00addung nicht gewesen, sagt Margue\u00adrite van Geldermalsen heute. \u201eIch hab das Naivste und Einfachste gemacht, was man als 22\u00ad-J\u00e4hrige tun kann: Ich bin bei dem Mann geblieben, den ich liebte.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Kara Cheshire hatte sich entschieden, ihr altes Leben hinter sich zu lassen, um mit einem Beduinen in der jordani\u00adschen Provinz zusammen zu sein. Als Reisef\u00fchrerin war sie auf die Route Kairo\u2013Amman spezia\u00adlisiert, alle paar Wochen begleitete sie eine Gruppe durch die Schluchten und \u00fcber die Berge von Petra. Mit dem Beduinen Zoher verband sie erst Freundschaft, dann Liebe. Als der \u201eArabische Fr\u00fchling\u201c den Nahen Osten aufwirbelte und die Syrer sich im Nachbarland gegen das Regime Baschar al\u00ad-Assads er\u00adhoben, brach der Tourismus ein, und die Engl\u00e4nderin gab ihren Job auf. Es war Zeit f\u00fcr einen Neu\u00adanfang. Weil es f\u00fcr sie leichter war, nach Petra zu ziehen, als f\u00fcr ihn, nach Europa zu gehen, stand die Entscheidung schnell fest. <\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden zogen in ein Haus im Be\u00adduinendorf, doch weil die \u201ewilde Ehe\u201c in der arabischen Gesell\u00adschaft nicht erlaubt ist, heirateten sie schon ein paar Monate sp\u00e4ter. Vieles ist ihr schwergefallen: die religi\u00f6sen Gesetze des Islam zu lernen und zu akzeptieren, dass st\u00e4ndig Familienmitglieder im Haus waren. Es gab wenig Zeit f\u00fcr Zweisamkeit. Auch die Rollen in ihrer Ehe waren klar verteilt. \u201eIch w\u00fcrde es so beschreiben\u201c, sagt sie und l\u00e4chelt. \u201eIn Petra ist es heute wie in England vor 30 Jahren. Es ist die oberste Pflicht und das Be\u00add\u00fcrfnis der Hausfrau, ihren Mann gl\u00fccklich zu machen. Aber daf\u00fcr sind die M\u00e4nner auch noch rich\u00adtige M\u00e4nner, selbstbewusst und stark.\u201c Undenkbar, dass Zoher das Geschirr oder die W\u00e4sche gewaschen h\u00e4tte. Mit Unterdr\u00fc\u00adckung der Frau h\u00e4tte das aber nichts zu tun, sagt Kara Cheshire. Sondern mit Respekt. Er sei im\u00admer z\u00e4rtlich zu ihr gewesen und h\u00e4tte alles f\u00fcr sie getan.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihre Kulturen sind trotzdem im\u00admer wieder aufeinandergeprallt. Einmal, als im Radio die Beatles liefen und sie ein Lied mitsang, fragte Zoher, wer das sei. Beatles? Von denen habe er noch nie ge\u00adh\u00f6rt. Werte waren ihr aber wich\u00adtiger als Wissen. \u201eMein Leben verlief endlich ohne Stress. Von den Beduinen habe ich gelernt, mir nicht st\u00e4ndig Sorgen zu ma\u00adchen\u201c, sagt die heute 42\u00ad-J\u00e4hrige. In ihrem alten Leben hatte sie ei\u00adnen anstrengenden Job, konnte nachts nicht schlafen, hatte das Gef\u00fchl, sich in einer Dauerschlei\u00adfe zu drehen: Geld verdienen, Geld sparen, Pl\u00e4ne schmieden, Pl\u00e4ne verwerfen. \u201eHier ist das Leben so einfach. Wann immer wir woll\u00adten, sind wir ins Auto gesprungen und in eine unserer H\u00f6hlen gefah\u00adren. Wir waren frei.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Nach nur einem Jahr wurde Kara Cheshires Leben erneut durch\u00ad einandergewirbelt. Zoher starb 2013 bei einem Autounfall. Die junge Witwe steht wieder vor ei\u00adnem Neuanfang \u2013 wo der sein wird, das wei\u00df sie noch nicht. \u201eManchmal m\u00f6chte ich einfach ins Flugzeug steigen und nach Hause fliegen\u201c, sagt sie. Aber dort gibt es keine Erinnerung an den geliebten Mann, dort gab es ihr Leben als Frau eines Beduinen nicht. Sie will erst mal in Petra bleiben und gemeinsam mit seiner Familie die Trauer \u00fcberwinden. Auf ihrem Profilfoto auf Face\u00adbook sitzt Kara Cheshire auf einer Anh\u00f6he. Jeans, Turnschuhe, sil\u00adberner Ring am Finger, sie lacht in die Kamera. Die Sonne ver\u00adabschiedet sich gerade von der W\u00fcste Petras und nimmt den Tag mit sich. Ein Mann umarmt die blonde Frau mit beiden Armen von hinten. Jeans, dunkle Haut, schwarzer Bart, Sonnenbrille, Turban, auch er lacht. Die beiden sehen gl\u00fccklich aus.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Foto: Eva Lindner<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brigitte Woman<\/p>\n<p>Alles hinter sich lassen und in einem W\u00fcstental in Jordanien mit einem Beduinen ein neues Leben anfangen \u2013 geht das? 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