{"id":234270,"date":"2020-02-21T15:09:32","date_gmt":"2020-02-21T14:09:32","guid":{"rendered":"https:\/\/eva-lindner.com\/?p=234270"},"modified":"2026-05-20T00:08:31","modified_gmt":"2026-05-19T22:08:31","slug":"paare-im-ausnahmezustand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/eva-lindner.com\/en\/paare-im-ausnahmezustand\/","title":{"rendered":"Paare im Ausnahmezustand"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Leben mit Baby ist ja soooooo sch\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6n? Kann sein. Aber das erste Jahr nach der Geburt ist vor allem ein Leben am Limit. Warum tun alle so, als ginge sie das nichts an?<\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>von Eva Lindner, Zeit Wissen Magazin, 21. Februar 2020 <\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Neulich ziehe ich ein Schreiben von der Berliner Charit\u00e9 aus dem Briefkasten. Die Uni-Klinik begl\u00fcckw\u00fcnscht mich zu meinem Kind, das vor etwas mehr als einem Jahr auf die Welt gekommen ist, und bittet mich, an einer Studie teilzunehmen. Thema: Psychosoziale Belastungen von Eltern im ersten Lebensjahr ihres Kindes. Die Ergebnisse der Studie sollen helfen, Belastungen vorzubeugen und betroffene Familien zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich die Fragen beantworte, wird mir klar, was alles anders, schlimmer sein k\u00f6nnte. Unser Kind ist gesund, schreit weder besonders viel noch beunruhigend wenig, schl\u00e4ft weder besonders gut noch schlecht. Ich konnte meine Tochter stillen, sie ist ein aufgewecktes, fr\u00f6hliches M\u00e4dchen. Wir sind ein junges Paar, leben in der Gro\u00dfstadt, f\u00fchren eine gleichberechtigte Beziehung, verdienen beide genug Geld, teilen uns die Kosten, die Hausarbeit, die Sorgen und den Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Und doch, wenn ich auf das vergangene Jahr blicke, mein erstes als Mutter, hat sich alles in meinem Leben ver\u00e4ndert. Mein K\u00f6rper, meine Beziehung, meine Freundschaften, meine Arbeit, mein Selbstbild, Glaubenss\u00e4tze und Werte. Das vergangene Jahr war wie eine Waschmaschine. Ich wurde ordentlich durchgewalkt, und hin und her geschleudert, ich stand Kopf, war verwirrt und orientierungslos, mir wurde schwindelig. Ich habe Haare gelassen und ein bisschen Farbe auch. Am Ende bin ich weichgesp\u00fclt, mit ein paar Falten und ersch\u00f6pft aus der Trommel gestiegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Elternschaft wirft grunds\u00e4tzliche Fragen meiner Generation auf: nach Gleichberechtigung, Rollenverteilung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, K\u00f6rperbewusstsein und Sexualit\u00e4t. Das erste Jahr mit Kind ist vielleicht der nat\u00fcrlichste Zustand der Welt. Aber es ist ein Ausnahmezustand.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Anfang steht ein Kontrollverlust. Die Geburt meiner Tochter ist der erste Termin in meinem Leben, der sich nicht in einen Kalender eintragen l\u00e4sst. Alles wabert um den sogenannten Geburtstermin herum, der keiner ist, weil er im Ungef\u00e4hren liegt. Es gelingt mir nicht, mich in der Schwangerschaft auf das vorzubereiten, was kommt. Wie auch bei der vagen Verhei\u00dfung: Bald \u00e4ndert sich dein ganzes Leben. Inwiefern? Das verstehst Du erst, wenn es soweit ist. Meine Generation der Mittdrei\u00dfiger hat f\u00fcr jede Befindlichkeit eine App auf dem Telefon und \u00fcberl\u00e4sst wenig dem Zufall. Solche Aussichten machen uns sehr nerv\u00f6s.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Baby bekommt kein Kinderzimmer. Wof\u00fcr, denke ich, es wird im ersten Jahr sowieso immer nah bei uns sein. Ich brauche meinen Schreibtisch dringender als ein Minimensch, der noch nicht laufen kann. Das B\u00fcro in ein Kinderzimmer zu verwandeln h\u00e4tte aus mir, einer in Selbstst\u00e4ndigkeit arbeitenden Frau, eine Mutter gemacht. So weit war ich noch nicht. Meine Schwangerschaft steht unter dem Glaubenssatz \u00bbMit Kind wird nichts mehr sein wie vorher\u00ab. Da ich das Vorher aber sehr gerne mag, bem\u00fche ich mich, so viel wie m\u00f6glich davon anzuh\u00e4ufen. Als Vorschuss sozusagen, so wie man am Wochenende Kraft f\u00fcr den Montag sammelt. Ich buche meinen und den Terminkalender meines Mannes mit Theater-, Opern-, Kino- und Freundesbesuchen voll, bis er komplett den \u00dcberblick verliert, wo er wann mit mir hingehen muss. Auf dem Sprung zu irgendeiner dieser Veranstaltungen platzt die Fruchtblase.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich verliere wieder die Kontrolle, diesmal \u00fcber meinen K\u00f6rper. Unter der Geburt tut er, was er tun muss. Nichts von dem, was aus mir herausbr\u00fcllt, -flie\u00dft, -schiebt und -dr\u00fcckt, habe ich im Griff. Mein K\u00f6rper ist nur noch Natur, verletzlich, intim, stark. Am Ende darf ich meine Tochter unter den Armen fassen und aus mir herausziehen. Eine archaische, gruselige und zauberhafte Erinnerung. Eine, die ich aufschreiben, aber mit dem Verstand bis heute nicht fassen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Tage danach wabern wir in unserer Baby-Blase. Stillen, schlafen, staunen. Jeder Gedanke verschwimmt sofort wieder in Unsch\u00e4rfe. Wir vergessen die Fragen, die wir an die Hebamme haben, schreiben sie auf, vergessen, wo. Wir r\u00e4tseln und wissen nicht, was wir tun. Aber unser Kind lebt und atmet, dar\u00fcber wachen wir Tag und Nacht. Irgendwann rutsche ich in etwas, das den niedlichen Namen \u00bbBabyblues\u00ab tr\u00e4gt. Durch die Hormonumstellung kann es zu Stimmungsschwankungen kommen, die oft nur ein paar Tage dauern. Ich erlaube mir zu zweifeln. Ein paar Tage.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach ein paar Wochen ist aus dem Blues ein experimentelles Jazzst\u00fcck geworden, das anhebt und abflaut, unvermittelt aufschreit und im n\u00e4chsten Moment leise summt. Wenn wir spazieren gehen, f\u00fchle ich mich wie gefesselt. An den riesigen Kinderwagen, mit dem ich \u00fcberall im Weg stehe. An mein Kind, das an mir h\u00e4ngt. Die Wickeltasche nicht vergessen, Windeln, T\u00fccher, Schnuller, Zeug. Ich sehne mich nach meiner Freiheit von fr\u00fcher, Geldbeutel, Handy, Schl\u00fcssel, aufs Rennrad und los. Egal wohin, egal wie lang. Allein sein. Ohne Ausziehen, Umziehen, Anziehen, \u00bbHabe ich alles?\u00ab. Windel voll, wieder von vorne. St\u00e4ndig m\u00fcde, kopflos, rastlos. Ich sehe meine Tochter an und frage mich, ob ich sie nicht genug liebe. Bin ich eine schlechte Mutter, die nach den vielen Jahren der Individualit\u00e4t nicht mehr zur\u00fcckstecken kann? Warum jammere ich, wenn ich doch ein gesundes Wunschkind habe?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will mein fr\u00fcheres Leben nicht zur\u00fcck und komme im neuen nicht an. Eine Zwischenweltlerin. Ich dachte, als Mutter w\u00fcrde ich sofort unermesslich lieben. M\u00fcsste ich nicht vom Gl\u00fcck \u00fcberw\u00e4ltigt sein? Neun Monate wuchs mein Kind im meinem K\u00f6rper, und jetzt ist es mir manchmal fremd. Als m\u00fcsste ich erst kennenlernen, was Teil von mir war. Nur mit meinem Mann traue ich mich \u00fcber meine Gef\u00fchle zu sprechen. Er sagt, es gehe ihm genauso. Hat er zu wenig Vaterliebe? Das Wort schreibt sich ungewohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sommer heizt unsere Stadt auf, und mein Kind hat Durst. Ich stille unter Schmerzen. Irgendetwas klappt nicht. Am Anfang denke ich, das geh\u00f6rt so, will niemandem zur Last fallen. Als ich um Hilfe bitte, ist es zu sp\u00e4t. Ich sitze weinend vor meiner Hebamme, sie ist ratlos. Alles, was sie vorschl\u00e4gt, funktioniert nicht. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, sechs Monate zu stillen, so wie es die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt. Also zwinge ich meinen K\u00f6rper, zu leisten, was ich von ihm erwarte. Ich bei\u00dfe die Z\u00e4hne zusammen. Beobachte die anderen M\u00fctter und das Wunder: Ein K\u00f6rper ern\u00e4hrt einen zweiten. Einfach so.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Sommer steht unter dem Glaubenssatz \u00bbIch kann mit Kind alles machen, was ich vorher gemacht habe\u00ab. Ich buche Yoga-Kurse f\u00fcr M\u00fctter mit Kindern, schiebe den Kinderwagen ins Museum, an den See und zum Steuerberater. Ich nehme Klavierunterricht, spiele um den kleinen R\u00fccken herum, w\u00e4hrend meine Tochter in der Trage vor meinem Bauch schl\u00e4ft. Sie macht alles mit, als wollte sie mir zurufen: \u00bbEntspann dich, Mama, ich nehm dir dein Leben schon nicht weg.\u00ab<\/p>\n\n\n\n<p>Im vierten Monat beginne ich wieder zu arbeiten. Zu Hause, in Teilzeit. Wieder Zweifel. Kann ich mich \u00fcberhaupt noch konzentrieren, komplex denken? Kann ich noch was anderes als stillen, wickeln, dududada? Wird sie mir fehlen und ich ihr?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir teilen uns die Kinderbetreuung im ersten Jahr und nutzen alles, was sich der Staat f\u00fcr uns \u00fcberlegt hat: Elterngeld, ElterngeldPlus, Partnerschaftsbonus. Wir haben es einfacher als andere Eltern. Weil das Geld reicht, weil wir gesund sind und uns beide um beides k\u00fcmmern wollen: Geld verdienen und das Baby aufziehen. Doch unser Ideal der gleichberechtigten Elternschaft prallt j\u00e4h mit der Arbeitswelt zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bekomme kaum Auftr\u00e4ge, weil niemand schon so fr\u00fch mit mir rechnet. Die meisten erwarten mich erst nach einem Jahr zur\u00fcck. Tauche ich auf Veranstaltungen auf, fragen mich Kolleg*innen, wo denn mein Kind sei. Eine Frage, die mein Mann nie h\u00f6rt. Sie gibt mir das Gef\u00fchl, ich sollte eigentlich woanders sein. Stolz zieht mein Mann unterdessen als einziger Vater in der Mamirunde die bewundernden Blicke beim Babyschwimmen an. Freunde klopfen ihm auf die Schulter, \u00bbToll, dass du so viel Verantwortung \u00fcbernimmst\u00ab.Warum ist die H\u00e4lfte bei M\u00e4nnern viel und bei Frauen wenig?<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl meine Freundinnen ihre Partnerschaften \u00e4hnlich leben \u2013 modern, emanzipiert, gleichberechtigt \u2013, teilen sich die wenigsten das erste Jahr auf. Meist bleibt die Mutter zw\u00f6lf Monate zu Hause, der Vater zwei. Er verdiene mehr, sei bei der Arbeit unabk\u00f6mmlich, sie wolle stillen und sei froh \u00fcber die Auszeit vom Job. Unz\u00e4hlige Argumente f\u00fcr ein Familienmodell, wie es unsere Eltern schon lebten. Ich will meine Freundinnen an den Schultern packen und sch\u00fctteln: Jetzt stellen wir die Weichen f\u00fcr eine gleichberechtigte Zukunft. Wir m\u00fcssen uns \u00e4ndern, sonst \u00e4ndert sich nie was. Jeder Vater ist im B\u00fcro ersetzbar, aber nicht zu Hause. Wir begutachten einander misstrauisch, vergleichen und bewerten.<\/p>\n\n\n\n<p>Als mein Mann nach drei Monaten in Teilzeit zur\u00fcckkehrt, findet er sich auf einer neuen Position wieder, die er nie haben wollte, die ihm nicht entspricht, die unter seinen F\u00e4higkeiten liegt. Karriereknick nach Elternzeit, ein Klassiker, normalerweise geschrieben f\u00fcr das weibliche Narrativ.<\/p>\n\n\n\n<p>Die kommenden sechs Monate teilen wir uns jeden einzelnen Tag auf, tauschen mittags Schreib- gegen Wickeltisch. Wer sich an Ersteren setzt, atmet auf. Arbeit ist unser neuer Urlaub. Wir freuen uns beide auf die Babyschicht, aber sie ist die h\u00e4rtere. Am Schreibtisch ist Ruhe, wir d\u00fcrfen Gedanken zu Ende denken und bekommen Anerkennung f\u00fcr das, was wir tun. Am Wickeltisch ist Chaos, nichts ist jemals fertig, nichts aufger\u00e4umt, keiner sagt: \u00bbVorbildlich, wie Sie die Wundcreme auf den Babypopo aufgetragen haben\u00ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser System ist fragil, darauf ausgelegt, dass wir jeden Tag funktionieren als Berufst\u00e4tige, als Eltern, als Team. F\u00e4llt einer aus, kracht alles zusammen. Ich bin\u00a0krank = ich kann nicht arbeiten = ich verdiene kein Geld = ich kann mich nicht ums Kind k\u00fcmmern = er kann nicht arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal f\u00fcttert er mich abends, weil das Baby endlich in meinem Arm eingeschlafen ist und wir es auf keinen Fall wachruckeln wollen. Oder wir diskutieren mit letzter Kraft, warum einer irgendwas so und nicht anders gemacht hat. Unsere Sprache ver\u00e4ndert sich. Wo fr\u00fcher viel Raum f\u00fcr Zuneigung und Zuspruch war, herrscht jetzt oft ein Ton wie in einer Gro\u00dfk\u00fcche. \u00bbKannst du mal schnell &#8230;\u00ab, \u00bbH\u00e4ltst du mal &#8230;\u00ab, \u00bbHol mal kurz &#8230;\u00ab. Alles muss sofort und schnell passieren, das Baby bringt eine Dringlichkeit in unsere Beziehung, die wir vorher nicht kannten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kleine ist in k\u00fcrzester Zeit zum Familienoberhaupt aufgestiegen. Anders als wir hat sie gerade die vielleicht steilste Karriere ihres Lebens hingelegt. Sie hat zwei Mitarbeiter, die alles tun, damit sie gl\u00fccklich und zufrieden ist. Die machen \u00dcberstunden, denken selbstst\u00e4ndig mit, \u00fcbernehmen Verantwortung, tr\u00f6deln nicht in der Mittagspause, h\u00e4ngen nicht am Handy, wenn die Chefin anwesend ist, sind gen\u00fcgsam und fordern nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Und noch etwas hat neuerdings permanent Zugriff auf mich: das schlechte Gewissen. Rufen Auftraggeber mich am sp\u00e4ten Nachmittag an, w\u00e4hrend meine Tochter gerade Baukl\u00f6tze gegen die Keksdose h\u00e4mmert: schlechtes Gewissen. H\u00f6re ich meinen Freundinnen nur mit halbem Ohr zu, weil ich st\u00e4ndig aufs Baby schaue: schlechtes Gewissen. Haben mein Mann und ich mal einen ruhigen Abend und ich schlafe um 20.30 Uhr auf dem Sofa ein: schlechtes Gewissen. Mutter, Berufst\u00e4tige, Freundin, Liebhaberin: So sehr ich mich bem\u00fche, alle B\u00e4lle in der Luft zu halten, es gelingt mir einfach nicht. Ich bin unzufrieden mit mir und meinem K\u00f6rper. Mir fallen Haare aus. Ich entdecke graue Str\u00e4hnen. Der Beckenboden h\u00e4ngt, der Bauch auch, mein Stillk\u00f6rper ist darauf ausgelegt, einen Menschen zu n\u00e4hren, auf nichts anderes. Einmal fragt die Bedienung im Restaurant mit einem verschmitzten Blick auf meinen Bauch, ob sich da schon das zweite ank\u00fcndigt. Von wegen \u00bbMein Bauch geh\u00f6rt mir\u00ab. Eine Mutter und ihr K\u00f6rper sind open source. Alle d\u00fcrfen mitreden. So schnell wieder schlank oder immer noch so rund. Arbeitet schon wieder oder immer noch nicht. Stillt immer noch oder schon nicht mehr. Hat ihr Kind nicht unter Kontrolle oder ist zu autorit\u00e4r. Die anderen wissen es immer besser.<\/p>\n\n\n\n<p>Einmal fahren wir von einem Ausflug mit dem Zug nach Hause. Das Abteil ist voll, Fahrg\u00e4ste sitzen in den G\u00e4ngen. Irgendwann f\u00e4ngt unser Baby an zu schreien. Wir arbeiten die heiligen F\u00fcnf ab: Hunger, Durst, Windel, Temperatur, N\u00e4he. Nichts kann es bes\u00e4nftigen. Wir schwitzen, bitten um Entschuldigung. Ein junges Paar ohne Kind macht uns Platz am Fenster, l\u00e4chelt uns an, fragt, ob sie irgendwie helfen k\u00f6nnen. Ihre Solidarit\u00e4t ist unsere Rettung. Ich will etwas sagen wie: Mein Kind ist meine gr\u00f6\u00dfte Herausforderung, aber auch meine gr\u00f6\u00dfte Bereicherung. Niemand triggert so sehr meine wunden Punkte und lehrt mich gleichzeitig, im Augenblick zu leben, geduldig zu sein, empathisch. Aber sie h\u00e4tten es eh nicht geh\u00f6rt. Das Baby schreit zu laut.<\/p>\n\n\n\n<p>Neulich war ich das erste Mal seit der Geburt meines Kindes ein Wochenende alleine zu Hause. Ich gehe durch die Wohnung. Unsere Tochter hat mittlerweile ihr eigenes Zimmer. Mein Mann und ich schlafen im B\u00fcro, wo ich tags\u00fcber arbeite. Es ist der kleinste Raum. Im gr\u00f6\u00dften schl\u00e4ft und spielt unsere Tochter.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Wohnung ist alles still. Die beiden sind ausgeflogen. Ich f\u00fchle mich frei. Kein \u00bbHat sie was Gesundes gegessen?\u00ab, \u00bbF\u00f6rdere ich sie genug?\u00ab, \u00bbWar sie an der frischen Luft?\u00ab. Keine Verantwortung, keine Zweifel, keine Diskussionen. Daf\u00fcr Ruhe, schlafen, allein sein. Und wissen, dass die beiden wiederkommen. Es ist wunderbar. Darf ich das sagen?<\/p>\n\n\n\n<p><em>Nach der Ver\u00f6ffentlichung des Textes im Zeit Wissen Magazin wurde ich in den Podcast &#8220;Mission Mama&#8221; eingeladen, um \u00fcber das erste Jahr mit Kind zu sprechen. Die Folge ist <a href=\"https:\/\/podimo.com\/de\/shows\/bc50b740-9acc-4acf-a758-f1a767bdd088\/episode\/41047b81-4fa2-4664-9e33-640122936e50\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"hier (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">hier<\/a> nachzuh\u00f6ren.  <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeit Wissen Magazin<\/p>\n<p>Das Leben mit Baby ist ja soooooo sch\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6n? Kann sein. 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